“Wolkiger Gruß aus Vulkanien” – “Lufthoheit für die Vögel” – “Aus allen Wolken gefallen” – “Zeit der Stille”: Das sind nur vier der unzähligen Titelzeilen, die beim Durchsehen der Zeitungen nach unserer Rückkehr auf den Vulkanausbruch in Island und seine Folgen Bezug nahmen. Sie alle greifen Aspekte auf, die im Zusammenhang mit dem Naturschauspiel eine Rolle spielten. Für die 52 Schülerinnen und Schüler des Mannesmann-Gymnasiums und ihre drei Lehrer, die in der Woche nach den Osterferien eine Studienreise nach Rom unternahmen, standen allerdings ganz andere Fragen im Vordergrund: Wie kommen wir wieder nach Hause? Und wann? Wie teuer wird die ganze Sache und wer bezahlt sie? Und was machen wir mit der zusätzlichen Zeit in der Hauptstadt der Welt? Wo können wir überhaupt bleiben und von welchem Geld noch etwas Essbares kaufen?

Das eigentliche Programm – das antike und christliche Rom zu erkunden – dürfte bei den Erzählungen über diese Fahrt eher in den Hintergrund treten. Die Schüler hatten sich zum Teil intensiv auf die Fahrt vorbereitet, die Reiseleitung in Form von Referaten selbst übernommen und sich ansonsten von ihren Lehrkräften erklären lassen, welche Bedeutung die einzelnen Bauwerke und Sehenswürdigkeiten haben. Zum Programm gehörte die Teilnahme an einer Generalaudienz des Papstes ebenso wie die Besichtigung des Forums und des imposanten Kolosseums, antiker Thermenanlagen und Tempel, christlicher Kirchen (allen voran des Petersdoms) und der touristischen Highlights wie der Spanischen Treppe und des Trevibrunnens. Auch die Besichtigung der Kapuzinergruft und einer Katakombe stand auf dem Programm.

In Erinnerung bleiben wird aber wohl in diesem Jahr eher die Zeit nach dem vorgesehenen Rückflug: Am Freitag sollte alles vorbei sein, man reiste mit Sack und Pack zum Flughafen und erhielt dort die Bestätigung des Gerüchtes, dass alle Flüge von und nach Deutschland “cancellati – storniert” seien. Nach fünfstündiger Wartezeit der Lehrer (natürlich abwechselnd!) in der Schlange des Lufthansa-Schalters und einem halben Tag Lagerleben auf dem Flughafen für die Schüler wurden wir dann in zwei Gruppen aufgeteilt und auf zwei verschiedene Flüge am Samstag umgebucht. Für die Nacht wurde uns ein Hotel inklusive Transfer dorthin, Abendessen und Frühstück am nächsten Tag eingeräumt. An dieser Stelle stünde in einem Krimi: “Dann ging alles sehr schnell.” Tatsächlich überschlugen sich die Ereignisse: Bereits am Samstagmorgen stand fest, dass der erste der beiden Rückflüge erneut storniert worden war, der zweite stand auf der Kippe. Drei Stunden später kippte auch er. Inzwischen hatten wir sämtliche verfügbaren Kontakte aktiviert, um weiterzukommen: Die Hotlines des Flughafens und der Lufthansa waren nicht nur vollkommen überlastet, sondern auch für uns telefonisch nicht erreichbar. Vom Hoteltelefon aus konnte man die kostenintensiven 199er-Nummern (entsprechend 0190 in Deutschland) nicht anrufen, vom Handy aus ebenfalls nicht. Vom Münzfernsprecher ging es, man wurde aber in eine Warteschleife gelegt und nach 20 Minuten Wartezeit erfuhr man, man möge sich mit Hilfe der Website weiter informieren. Die wurde gerade überarbeitet und war nicht erreichbar. Eine der begleitenden Lehrerinnen stellte den Kontakt zu einem befreundeten Lufthansa-Mitarbeiter her, die andere über zwei Stationen den Kontakt zu italienischen Bekannten in Rom. Alle versuchten uns zu helfen und Lösungen für eine schnelle Rückreise zu finden. Das Reisebüro hatte sich inzwischen nach dem Preis für einen Reisebus erkundigt und war sehr überrascht, als wir sofort zusagten. Also fuhr – verrückt, aber aus der Rückschau sinnvoll – am Samstagnachmittag in Borken ein Reisebus los, der uns am Sonntag in Rom abholen würde. Nur wo? Das Hotel war nur für die eine Nacht bezahlt, die zweite hätte 94 Euro pro Person gekostet, die die Lufthansa – nach mehrmaligem Nachfragen und Warten auf eine klare Antwort – nicht übernahm. Also mussten innerhalb einer guten Stunde alle Zimmer wieder geräumt und aus dem Hotel ausgecheckt werden. In dieser Zeit sorgten wir – ohne Hilfe durch irgendjemanden!!! – dafür, dass die gesamte Gruppe erneut in die Pilgerunterkunft einziehen konnte, die wir auch innerhalb der Woche bewohnt hatten. Der Fußmarsch dorthin vom Hotel dauerte eine Dreiviertelstunde; einige fuhren auch mit Linienbussen. Gleichzeitig musste am Flughafen dafür gesorgt werden, dass die Flüge storniert wurden; also teilten sich die Lehrer wieder auf, eine fuhr zum Flughafen, die anderen beiden zogen mit den Schülern um und versorgten das Gepäck der Dritten.

Am Sonntagmorgen ging es dann einer Schülerin,die schon länger geschwächt war, so schlecht, dass sie einen Arzt aufsuchen wollte. Gute Idee an einem Sonntagmorgen. Also ins Krankenhaus. Und so lernten wir die Gemelli-Klinik kennen, in der vor Jahren auch Papst Johannes Paul der Zweite behandelt worden war. Bessere Referenzen kann ein Krankenhaus ja nicht haben. Der Rest der Gruppe fuhr inzwischen zum Circus Maximus, dem Ausgangspunkt für die kurzfristig angesetzte nachmittägliche Wanderung: Wer nachts im Bus schlafen will, muss sich tagsüber müde machen…

Endlich um 22 Uhr fuhr dann der Doppeldecker mit 55 entnervten, aber recht gefassten und erleichterten, gestrandeten Neu-Römern an Bord vom Gelände und Richtung Norden. Achtzehn Stunden später schlossen glückliche Eltern ihre erschöpften Kinder wieder in die Arme und waren froh, dass doch alles noch ein gutes Ende genommen hatte.


A. Laser, W. Müller, C. Stockmann